Vereinsgründung und frühe Entwicklung
1886 – Gründung und erste Vereinsjahre
Am 24. Juli 1886 gründeten 23 junge Männer im Gasthaus „Zur Deutschen Eiche“ in Langenselbold den Turnverein 1886 Langenselbold. Sie hatten die Hoffnung, dass der Verein wachsen und gedeihen möge, konnten sich jedoch kaum vorstellen, dass dieser Verein einmal zum größten und mitgliedsstärksten Verein Langenselbolds und einem der größten Hessens werden würde. Der erste Vorstand setzte sich aus Heinrich Gasche (Vorsitzender und Turnwart), Georg Gasche (Schriftführer und Kassierer), sowie den Beisitzern August Reuter, Friedrich Wacker, Johann Röder und Peter Einschütz zusammen.
Das erste Vereinsjahr verlief schwierig. Im Winter musste der Turnbetrieb eingestellt werden, da der Versammlungsraum im Gasthaus nicht beheizbar war. Auch finanziell verlief der Start bescheiden: Am Jahresende verblieben nur 36 Pfennig in der Vereinskasse. Der erste Turnplatz befand sich zunächst auf der „Sieb“, später wurde ein Grundstück in der Friedrichstraße erworben, das fortan als neuer Turnplatz diente.
Frühe Jahre – Geselligkeit und Vereinsleben
Neben dem Turnen spielte Geselligkeit im Vereinsleben eine wesentliche Rolle. Bereits in den ersten Jahren veranstaltete der Verein Theaterabende, Waldfeste und Tanzveranstaltungen, wobei letztere oft mit dem traditionellen „Zoppen“ (einer Gebühr für Tanzpaare auf der Tanzfläche) verbunden waren. Allerdings waren diese Veranstaltungen nicht immer wirtschaftlich erfolgreich, wie das regnerische Waldfest von 1894 zeigte, bei dem ein Verlust entstand.
1895 – Die Gesangsabteilung entsteht
1895 wurde eine eigene Gesangsabteilung gegründet, die unter Leitung des Lehrers Eckel stand und an Ostern 1897 ihr erstes Konzert vor 129 Zuhörern im Gasthaus „Zur Deutschen Eiche“ gab. Aus dieser Abteilung entwickelte sich später der eigenständige Gesangverein „Sängerlust“.
1896 – Das erste runde Jubiläum
Zum 10-jährigen Vereinsjubiläum 1896 wurde ein großes Stiftungsfest gefeiert, das erstmals einen nennenswerten Gewinn für die Vereinskasse einbrachte. Vorsitzender zu dieser Zeit war Adam Weidenbach, der später zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde und den Verein bis 1920 führte.
Vereinsleben – Aufnahme und Traditionen
Damals waren die Anforderungen an neue Vereinsmitglieder streng: Eine Aufnahme erforderte die Empfehlung des Vorstandes und eine Abstimmung in der Mitgliederversammlung. Jugendliche Mitglieder wurden „Zöglinge“ genannt und verpflichteten sich zur Treue gegenüber dem Turnen, dem Deutschtum und dem Kaiser. Traditionell schloss jede Versammlung mit dem Gesang des patriotischen Liedes „O Deutschland hoch in Ehren“ und dem Turnergruß „Gut Heil“.
1901 – Das Kinzig-Gau-Turnfest
1901 richtete der Verein erstmals eine Großveranstaltung aus, das Kinzig-Gau-Turnfest. Dieses Fest war finanziell erfolgreich und erhöhte das Selbstbewusstsein des jungen Vereins, trotz erheblicher Bierkosten, die bei der Bewirtung der Schauturner anfielen.
1911 – Ein Fonds für die eigene Turnhalle
Zum 25-jährigen Bestehen 1911 stiftete der Verein eine Jahn-Gedächtnisplakette, die am Gasthaus „Zum Goldenen Engel“ angebracht wurde und bis heute erhalten ist. Gleichzeitig wurde der Turnplatz in der Friedrichstraße verkauft, um aus dem Erlös einen Fonds für den Bau einer eigenen Turnhalle anzulegen. Schon damals zeigte sich der Wunsch nach einer vereinseigenen Halle, dessen Verwirklichung jedoch noch Jahrzehnte dauern sollte.
1913 – Die erste Damenabteilung
1913, nach langwierigen Diskussionen im Vorstand, wurde erstmals eine Damenabteilung eingerichtet, allerdings unter der Auflage, dass sich diese Abteilung den Weisungen des ausschließlich männlichen Vorstandes strikt zu unterwerfen habe. Diese Öffnung des Vereins für Frauen markierte einen wichtigen Meilenstein in der Vereinsgeschichte.
1914 – Der Erste Weltkrieg
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahre 1914 kam der Turnbetrieb nahezu vollständig zum Erliegen. Während der Kriegsjahre waren die Versammlungen von Trauer geprägt, da regelmäßig die Namen gefallener Vereinsmitglieder verlesen werden mussten. Trotz der schweren Verluste und dem gesellschaftlichen Stillstand blieb die Gemeinschaft des Turnvereins bestehen und hoffte auf bessere Zeiten nach dem Krieg.







